9 Fragen an Oliver Heuler

#PMG:  Wenn man sich in deine Biographie einliest, stellt man schnell fest: Du bist offen — ja sogar hungrig —, andere Sportarten und neue Bewegungen zu erlernen mit der gleichen Perfektion wie beim Golfspiel. Golf stellt hohe Anforderungen an die koordinativen Fähigkeiten; ist es also Zufall, dass du ausgerechnet Golflehrer geworden bist? Wie hoch schätzt du die koordinativen Anforderungen im Golfsport im Vergleich zu anderen Sportarten ein?

Oliver Heuler: Es heißt immer, Golf sei die koordinativ schwierigste Sportart. Da habe ich Zweifel: Stabhochspringen, Turmspringen, Motocross-Fahren, Polo, Bodenturnen etc. sind nämlich auch nicht trivial. Das Besondere am Golf ist, dass mittelbegabte Mittfünfziger damit anfangen. Das ist bei den anderen Sportarten eher selten der Fall. Als ich mit 40 als Anfänger in einen Gewichtheberverein eintreten wollte, war man da schon sehr erstaunt, denn das gibt es so gut wie nie. Die Turmspringer in Rostock haben mir eine Vereinsmitgliedschaft sogar verweigert.

#PMG: Die Frage schließt sich inhaltlich quasi an, man hört als Golfspieler häufig das Vorurteil Golf ist kein Sport, es ist nur ein Spiel. Wie würdest du Golf einordnen, was die physischen Anforderungen angeht, man sagt seit Tiger Woods ist Golf auch deutlich athletischer geworden und die Bälle werden immer weiter gedroschen? 

 

© Oliver Heuler
© Oliver Heuler

 

Oliver Heuler: Oft hört man, man solle den Golfball ohne Kraft schlagen. Natürlich geht es auch mit wenig Kraft, aber nicht sehr weit. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Schlaglänge einer der wichtigsten Faktoren für niedrige Scores ist. Gleichwohl gilt: Man kann auch relativ unsportlich — also übergewichtig und unbeweglich — gut spielen, wenn man koordinatives Talent mitbringt.

#PMG: Ist Golf, was den Nachwuchs und die Jugend angeht, konkurrenzfähig mit den üblichen Breitensportarten Skateboard, Fußball, Basketball, Handball oä. Wir haben selbst einen sechsjährigen Golf-Maniac, der jetzt schon drei Jahre im Bambini-Golf im Verein spielt —und das mit Begeisterung. Aber Kindern und Jugendlichen ist Anerkennung wichtig. Bleibt Golf konkurrenzfähig, wenn man ins Jugendalter kommt und natürlich cool sein will?

Oliver Heuler: Ich glaube, die Jugendlichen bleiben dann dabei, wenn sie Erfolg haben. Wer sich vom Regional- übers Landes- bis ins Nationalkader vorspielt, wird nur selten aufhören. Aber das kann naturgemäß immer nur eine kleine Gruppe sein. Der größte Nachteil des Golfspiels ist meiner Ansicht nach nicht, dass es uncool ist, sondern zeitaufwendig. Wer nicht in unmittelbarer Näher einer Anlage wohnt, braucht noch mehr Zeit und meist auch einen Fahrer. Das sind große Hürden.

 

Leon, spielt seit 3 Jahren bei den Bambinis des GC Fürth
Leon, spielt seit 3 Jahren bei den Bambinis des GC Fürth

 

#PMG: Es gibt durchaus Golfer, die nur mit autodidaktischem Lernen gute Ergebnisse erzielen, andere hingegen finden regelmäßigen Unterricht beim Pro unverzichtbar, da man sich selbst ja nicht von außen ansehen kann, um zu erkennen, welche Fehler sich immer wieder einschleichen. Wie ist deine Meinung zu autodidaktem Lernen?

Oliver Heuler: Vorab: Selbst wenn der Amateur sich sehen könnte (und das Handy ermöglicht es ja inzwischen), hülfe ihm das wenig. Die Analyse und Diagnose ist einfach zu komplex. Die meisten schauen auf ihr Videobild wie ich auf meine Röntgenbilder. 
Ich war auch Autodidakt, weil mir als Jugendlicher das Geld fehlte, Unterricht zu nehmen. Das Ergebnis: Ich habe jahrelang geslict und bin in allen erdenklichen Sackgassen bis ans Ende gefahren. Da braucht man viel Liebe zum Spiel, um nicht frustriert aufzugeben. Als Lehrer profitiere ich heute von meinem Leidensweg, denn Umwege erhöhen die Ortskenntnis, aber dem Hobbygolfer würde ich das nicht empfehlen. Noch schwieriger als das Golfspielen ist jedoch das Unterrichten. Deshalb empfehle ich, den Lehrer sorgfältig auszuwählen und zügig zu wechseln, wenn der Erfolg zu lange auf sich warten lässt.

 

Sysiphos, © www.heuler.de
Sysiphos, © www.heuler.de

 

 #PMG: Gregor Eisenhauer formulierte in seinem Buch die These, dass die himmlische Geduld der Golflehrer nur noch von der höllischen Talentlosigkeit ihrer Schüler übertroffen würde. Würdest Du ggfs. einem Golfer auch nahelegen, daß der Sport wohl nicht das richtige ist oder eignet sich Golf, wie man immer liest, wirklich für jeden?


Oliver Heuler: Ich habe Eisenhauers Buch gelesen und sehr genossen, aber ich muss sagen: Ich bin eher ungeduldig. Und nur deshalb habe ich nach immer effizienteren Wegen gesucht, den Leuten schnell zu besseren Schlägen zu verhelfen. Das Talent meiner Schüler verteilt sich auch auf der Gausschen Glockenkurve und die meisten sind mittelbegabt.

Ich habe noch nie jemandem abgeraten, denn egal wie niedrig das Talent ist und wie gering die Fortschritte, nur der Golfer selbst weiß ja, ob Kosten und Nutzen für ihn in einem akzeptablen Verhältnis stehen. Golf ist jedoch sicher nichts für jeden. Mein Sohn beispielsweise hat Schläger seit er zwei ist, könnte jeden Tag spielen und wir harmonieren auch beim Unterricht — aber der Sport ist einfach nichts für ihn. Er hat andere Talente: Musizieren, Klettern und Breakdance klappen bei ihm einfach besser.

#PMG: Arbeitest du nur am Golfspiel anderer oder auch immer noch an deinem eigenen? Ist ein Golfschwung jemals fertig?

Oliver Heuler: Ich spiele äußerst selten auf dem Platz, schlage aber oft und gerne Bälle auf der Range. Ich will im Unterricht immer in der Lage sein, den Schwung des Schülers zu kopieren und dann genau seinen Ballflug zu produzieren. Danach will ich ihm das Gegenteil vormachen und den Ball schlagen, den der Schüler gerne hätte.

Ich bin mit meinem Schwung noch nicht fertig und wahrscheinlich geht mir da die Zeit aus. Das ist auch eine wichtige Erkenntnis für Lehrer: Wenn ein Schüler bestenfalls zweimal die Woche spielt und in mittlerem Alter begonnen hat, wird er keinen Tourschwung mehr erlernen. Also darf das Ziel nicht lauten, ihm diesen beizubringen. Es gilt deshalb, eine Technik anzupeilen, die halbwegs konstant gerade Schläge ermöglicht. Nicht mehr, nicht weniger.


#PMG:  Ist man als Golflehrer immer hoch professionell oder hat das auch menschliche Grenzen? Würdest du beispielsweise Donald J. Trump Golfunterricht geben?

Oliver Heuler: Ich habe ihn live auf seinem Platz erlebt, als ich dort meine Fehlerkorrekturen-DVD gedreht habe. Ich käme nie in die Verlegenheit, ihn zu unterrichten, weil er keinen Unterricht nehmen würde. Damit würde er sich eingestehen, Hilfe zu brauchen. Das halte ich für fast ausgeschlossen.

Ich habe auch höchst selten unangenehme Schüler, weil meine Hürde so hoch ist: zweihundert Euro und einen Standort weit jenseits vom Schuss. Wer zu mir kommt, ist hochgradig eigenmotiviert und das sind mir die liebsten Schüler.

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#PMG: Gäbe es eine Zeitmaschine, die dich nochmal zurückbefördert, würdest du den Weg nach deinem Abitur in NRW zum Golflehrer in Gut Grambek (deine erste Station bei Hamburg) in deinem Leben wieder so gehen? Du hast es mittlerweile zu Erfolg und auch zu viel Anerkennung gebracht als einer der profiliertesten Golflehrer, aber vielleicht würdest du es doch vorziehen, erst den Hauptschulabschluss in Bayern nachholen? 🙂 Sorry, aber das lasen wir auf deiner Website (https://golf.heuler.de/biografie/).

Oliver Heuler: Ich danke jeden Tag dem Schicksal, das mir mit 16 Jahren den öffentlichen Golfplatz an der Lausward beschert hat. Vom Tag meines ersten Besuchs an, war mein Werdegang vorherbestimmt. Ich werde jetzt noch 30 Jahre unterrichten und dann sicher vom Leben tief befriedigt sterben. Das einzige, was mich traurig stimmt, ist das Wissen, dass so viele andere mit ihrem Schicksal hadern.


#PMG:  Gibt es eine Frage die du gerne beantworten möchtest, die wir leider nicht gestellt haben?

Oliver Heuler: »Wohin dürfen wir das Zeitfahrrad liefern, das wir allen Interview-Partnern zum Dank zur Verfügung stellen?

 

– Interview Ende –

Wir bedanken uns bei Oliver Heuler, für das Interview und dass er sich mit unseren 9 Fragen auseinander gesetzt hat.

Weiterführende Links:

Lernen im Zeitraffer     www.golfkurse.com

Wider das Geläufige     www.heuler.de

 

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