Kidsgolf – Ab wann kann man mit dem Golf spielen anfangen?

Kidsgolf ab Bambinialter mit #PimpMyGolf
Fabian Bünker zum Thema Kidsgolf
Fabian Bünker zum Thema Kidsgolf

Anfangs möchte ich Fabian  einmal vorstellen. Fabian ist PGA Golf Professional, DOSB Diplom Trainer und als Landestrainer des Golf Verbandes Niedersachsen Bremen für die Betreuung der Kaderspieler im Training und Wettkampf verantwortlich. Vor seiner Laufbahn als Pro war Fabian als Amateur 5 Jahre in Folge Mitglied der DGV Nationalmannschaft. Die Ausbildung zum PGA Golflehrer hat Fabian im Golf Club St. Leon Roth absolviert. Fabian ist bekannt und sehr engagiert in der Kinder- und Jugendausbildung im Golfsport sowie Betreiber von Golfmaniacs einem Onlineshop für Kindergolf Equipment. Ich freue mich sehr, daß wir einen Gesprächspartner mit so einer herausragenden Kompetenz für das Interview zum Thema Kidsgolf gewinnen konnten.

Bei dem Interview geht es um den Nachwuchs bereits im frühen Alter von 3-14Jahre.

Hallo Fabian,

gibt es eigentlich ein bestimmtes Einstiegsalter, ab dem Kinder mit dem Golf spielen beginnen können?

Fabian: Schwer zu sagen. Die Kinder sollten auf jeden Fall schon laufen können. Zu Beginn ist es aus meiner Sicht aber wichtig, dass gar nicht unbedingt Golf im Sinne von Golf gespielt wird sondern, dass ein Training auf dem Golfplatz stattfindet, dass Golf, Sport, allg. Bewegung und Spaß miteinander verbindet, so dass die Kinder mit dem Golfplatz etwas positives assoziieren und es gewohnt sind auf den Golfplatz zu kommen.

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Welche Fähigkeiten werden bei Kindern im Golf Spiel gefördert?

Fabian: Vor allem macht Golf Spaß und ich denke, das ist das wichtigste. Daneben fördert es aber viele wichtige Eigenschaften für die Entwicklung von Kindern. Konzentrationsfähigkeit ist bestimmt die wichtigste. Meine Erfahrung ist die, dass Kinder, die mit dem Golfsport beginnen, auf einmal auch besser in der Schule werden. Warum? Ganz einfach. Zum einen, weil der Golfsport eine hohe Konzentration und Beherrschung einfordert. Und das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Schulleistungen aus. Zum anderen bewegen sich Kinder auf einem Golfplatz über mehrere Stunden an der frischen Luft. Etwas, was heutzutage kaum noch passiert. Neben der Konzentration kommt also auch eine entsprechende sportliche Aktivität dazu, die dazu führt, dass Kinder sich besser Konzentrieren können. Weitere Fähigkeiten die durch den Golfsport gefördert werden sind folgende:

  • Kinder lernen sich nach einer Anspannung wieder zu entspannen. Vor dem Schlag muss ich mich bewusst konzentrieren und meine Anspannung hochfahren. Nach jedem Schlag habe ich Zeit mich zu entspannen.
  • Frustrationstoleranz wird geschult. Wer schon einmal Golf gespielt hat, weiß wovon ich rede. Aber Golf ist wie das Leben. Mal bist du oben, mal bist du unten. Das schöne auf dem Golfplatz ist nur, dass Kinder für sich und ihren Erfolg alleine verantwortlich sind und der Sport viel Frust parat hat. Wer Golf spielt, lernt damit umzugehen.
  • Eigenständigkeit: Jeder ist für seinen eigenen Score verantwortlich. Kinder lernen, dass sie für ihreLeistungen selber verantwortlich sind und mit Rückschlägen und Fehlern konstruktiv umzugehen. Denn es gibt keine unmittelbaren Mitspieler, die für einen schlechten oder guten Schlag verantwortlich gemacht werden können. Zudem findet eine Großteil des Trainings eigenständig statt.
  • Und natürlich viele Fähigkeiten mehr. Auf golf.de habe ich dazu mal einen Blogbeitrag geschrieben. Demnächst wird es auf dem Golfmaniacs Blog dazu auch einen Artikel geben.

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Ich habe selbst von Eltern, deren Kind bei den Bambinis spielt, einmal gehöt ihr Kind darf gerne Golf spielen, wenn es noch einen Mannschaftssport parallel dazu betreibt, weil Golf nicht ausreichend wäre für die soziale Entwicklung des Kindes bezüglich Gruppendynamik, wie in einem Mannschaftssport. Ist das ein Vorurteil?

Fabian: Ja, ich denke schon, dass das ein Vorurteil ist. Welcher Sport ist besser dafür geeignet neben einer gewissen Selbstständigkeit (du bist für dein Spiel und dein Ergebnis zu 100 %s selber verantwortlich) auch eine Teamfähigkeit bei Kindern auszubilden. Zum einen wird Golf auf dem Platz immer mindestens in einem Zweierflight gespielt. Kinder müssen also schon einmal lernen mit vielen verschiedenen Charakteren umzugehen. Darüber hinaus finden viele Wettkämpfe im Teammodus statt. Ich spiele also nicht nur für mich alleine, sondern auch für mein Team. Natürlich passe ich den Ball nicht wie im Fussball zu einem Mitspieler, sondern spiele meinen eigenen Ball. Trotzdem darf ich mich nicht hängen lassen, sondern muss für das Team spielen.

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Kidsgolf
Kidsgolf, Leon 5 Jahre alt

 

Wie unterscheiden sich im Golfsport die Trainingsformen mit Kindern von dem Training mit älteren Jugendlichen oder Erwachsenen?

Fabian: Im Grunde ist das nicht immer so leicht zu beantworten, da natürlich jede Kindergruppe unterschiedlich ist. Ich habe schon Kinder erlebt, die in ganz jungen Jahren viel Spaß an einem reinen Techniktraining hatten. Genauso aber Kinder, die alles (und das ist der Normalfall) spielerisch lernen wollen. Darum wird auch im Kindertraining viel mehr Wert auf eine spielerische Vermittlung von Golf Inhalten und viel Abwechslung gelegt. Die Konzentrationsspanne bei Kindern ist nicht so hoch, darum bedarf es einer schnellen und regelmäßigen Abwechslung im Training. Ein Training mit Jugendlichen und Erwachsenen kann Techniklastiger und Wettkampflastiger sein, da diese sich schon länger konzentrieren können und natürlich auch viel selbstständiger trainieren.

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Ab welchem Alter machen für Kinder ein eigenes Handicap, Turniere oder andere Wettkampfformen Sinn?

Fabian: Auch das ist total abhängig vom Kind selbst und muss eine Entscheidung sein, die die Eltern für ihr Kind treffen. Je nachdem, wie weit es in seiner persönlichen Entwicklung vorangeschritten ist. Das Handicap würde ich aber auf dieser Liste ganz ans Ende setzen. Jedes Kind wird früh genug ein super Handicap spielen, wenn es mit Spaß und Begeisterung bei der Sache ist. Im Vordergrund von kindgerechten Wettkämpfen (angepasste Bahnlängen, Kinder sollen lernen gegen Par zu spielen) sollte die Entwicklung vor golferischer Qualität stehen und vor allem natürlich die Entwicklung einer hohen Motivation.

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Sind die Anforderungen Kinder zu trainieren für jeden Pro gleichermaßen geeignet oder braucht man dafür eine spezielle Ausbildung?

Fabian: Es braucht zuerst keiner speziellen Ausbildung (die aber natürlich extrem hilft, wenn man in dem Bereich aktiv ist), sondern viel Hingabe und vor allem den Wunsch und Willen mit Kindern arbeiten zu wollen. Kinder sind anstrengend und merken sofort, wenn jemand nicht bei der Sache ist. Für mich gilt immer der Leitspruch „You go first“. Soll heißen, wenn ich den Spaß am Golfsport vermitteln will, dann muss ich selber Spaß an meiner Arbeit haben. Habe ich das nicht und das Jugendtraining ist für mich eine „Pause“ im Arbeitstag, dann werden auch die Kinder keinen Spaß daran haben.

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Behalten Kinder die Begeisterung für Golf während des Heranwachsens bei oder wird das irgendwann verdrängt von Sportarten, die man im Kindesalter oder in der Jugend vielleicht cooler findet (Anerkennung bei Freunden) beispielsweise wie Skateboarden, Basketball, Fußball spielen usw. Ist Golf als Sport bei Kindern und Jugendlichen konkurrenzfähig, wie sind Deine eigenen Erfahrungen?

Fabian: Ja, klar behalten sie sie bei. Wer diese einmal entwickelt hat, der hat sie in sich. Und sicherlich wechseln Kinder die Sportart. Das ist aber ein normaler Vorgang im Leben eines Kindes. Und ja, Golf ist absolut konkurrenzfähig. Das einzige Problem ist, dass 99 % aller Golfclubs nicht in der Stadt liegen, sondern zum großen Teil nur mit dem Auto erreichbar sind. Ich denke, dass ist das Problem.

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Zuletzt eine Frage, die du vielleicht erwartet hast, die leider aber nicht gestellt wurde. Was würdest du noch gerne zum Thema Kidsgolf sagen?

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Fabian: Jetzt wurde sie doch gestellt:). Wir haben mehr als 45.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die offiziell Mitglied in einem Golfclub sind. Wenn wir diese Anzahl an Kindern aktivieren könnten, dann müssten wir uns um Mitgliedergewinnungsprogramme etc. wenig Sorgen machen. Und um zukünftige erfolgreiche Pros auf der Tour auch nicht. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Clubs sich noch aktiver in das Thema Jugendgolf einbringen. Viele machen das schon auf sehr gute Art und Weise, viele leider noch nicht. Dabei ist es heute so einfach wie noch nie ein tolles Jugendtraining auf die Beine zu stellen, da so viel Wissen im Markt ist und so viele tolle Konzepte (US Kids Golf Certified Coaches Seminare z.B.) angeboten werden, die als Blueprint für den eigenen Club genutzt werden können. Darüber hinaus bieten Programme wie das Qualitätsmanagement für Jugendarbeit des DGV tolle Möglichkeiten seine eigenen Stärken und Schwächen in der Jugendarbeit im Club analysieren zu lassen und zusammen mit Experten für eine stetige Weiterentwicklung zu sorgen. Zudem müssen Clubs das Thema Jugend noch viel mehr als Invest in die Zukunft verstehen. Wer heute Jugendliche ausbildet kann morgen dessen Familie als neue Mitglieder begrüßen.

Vielen Dank Fabian für das interessante Interview zu unseren Jüngsten im Golfsport.

Interview Ende #PimpMyGolf ( Juwe )

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